Über 200 Gäste füllten am Montagabend das Stadthaus Ulm, als der Albert Einstein Discovery Center Ulm e.V. die deutsche Ausgabe des Briefwechsels zwischen Maria Skłodowska-Curie (bekannt als Marie Curie) und Albert Einstein erstmals der Öffentlichkeit vorstellte. Die 25 Briefe und eine Postkarte aus den Jahren 1911 bis 1932 hat die Herausgeberin Dr. Ewa Łabno-Falęcka in Archiven in mehreren Ländern aufgespürt und erstmals in einem Band zusammengeführt. Nach dem Grußwort von Oberbürgermeister Martin Ansbacher führte die Vereinsvorsitzende Dr. Nancy Hecker-Denschlag durch den interessanten Abend.
Dass die Einstein-Akteure in Ulm eng zusammenstehen, zeigte sich schon vor Beginn der Veranstaltung: Weil einer der angekündigten Redner, Prof. Hanoch Gutfreund, wissenschaftlicher Leiter des Albert Einstein Archivs und früherer Präsident der Hebrew University of Jerusalem, auf der Rückreise aus Japan festsaß, sprang kurzfristig Dr. Sabine Presuhn ein, die Leiterin des Museums „Die Einsteins“. „Ich habe sie gestern Abend angerufen und gesagt: Sabine, ich brauche Hilfe“, berichtete Nancy Hecker-Denschlag.
„Einstein und Skłodwoska-Curie waren niemals gleichgültig“
Hanoch Gutfreunds vorbereitete Rede trug Nancy Hecker-Denschlag vor. Darin beschrieb Gutfreund, wie Einsteins erster Brief Marie Skłodwoska-Curie im November 1911 erreichte – mitten in einer Hetzkampagne der Pariser Presse gegen die verwitwete Forscherin. „Ich bin so wütend über die niederträchtige Art, in der sich der Pöbel gegenwärtig mit Ihnen zu befassen wagt“, schrieb Einstein damals. Gutfreund schilderte außerdem das gemeinsame Engagement der beiden in der Kommission für geistige Zusammenarbeit des Völkerbunds. Nach der Ermordung seines Freundes Walther Rathenau 1922 wollte Einstein dort austreten, Skłodwoska-Curie bewegte ihn zum Bleiben. Der Vortrag endete entsprechend mit passenden Worten: „Einstein und Skłodowska-Curie waren niemals gleichgültig.“
Spurensuche von Jerusalem bis Düsseldorf
Im Gespräch mit Nancy Hecker-Denschlag und Sabine Presuhn erzählte Ewa Łabno-Falęcka von ihrer Suche. Einsteins Briefe fand sie schnell im digitalisierten Albert Einstein Archiv in Jerusalem. Deutlich schwieriger war es in Paris, wo Skłodowska-Curies Unterlagen noch nicht erschlossen waren. Auf Bitte des Maria-Skłodowska-Curie-Museums in Warschau spürte man sie dort aber auch auf. Weil die Dokumente nach heutigen Normen noch immer radioaktiv belastet waren, mussten sie zwei bis drei Monate lang dekontaminiert werden. Ein weiterer Einstein-Brief tauchte im Stadtmuseum Düsseldorf auf. „Was wir gefunden haben, ist wahrscheinlich alles, was es gibt“, sagte die Herausgeberin – und versprach jedem, der doch noch einen Originalbrief entdeckt, eine gute Flasche Whisky.
Der Band zeigt die Briefe als Faksimile, jeweils neben der Übersetzung, ergänzt um Kurzbiografien und eine historische Einordnung. Die Carl-Zeiss-Stiftung hat die deutsche Übersetzung gefördert. Deren Geschäftsführer Dr. Felix Streiter zitierte in seinem Schlusswort Einstein, für den Skłodwoska-Curies ethische Qualitäten vielleicht sogar wichtiger waren als ihre wissenschaftlichen Leistungen. Zugleich betonte Streiter, dass Forschung nicht im Labor aufhöre, sondern auch vermittelt werden müsse. „Deshalb ist es wichtig, so etwas wie das Albert Einstein Discovery Center zu bauen, damit die Botschaft von Ulm aus in die Welt gehen kann und die nächste Generation für die Wissenschaft begeistert wird.“
Bei Getränken im Foyer klang der Abend aus, viele Gäste nutzten die Gelegenheit zum Gespräch mit der Herausgeberin und am Infostand des Albert Einstein Discovery Center Ulm e. V. Rund jeder fünfte Gast nahm noch am selben Abend ein Exemplar des Buchs mit. Es ist auf Anfrage für 50 Euro exklusiv bei der Buchhandlung Hugendubel in Ulm erhältlich.
Kontaktdaten:
Albert Einstein Discovery Center Ulm e.V.
Vorsitzende: Dr. Nancy Hecker-Denschlag
Bessererstraße 13-15 – 89073 Ulm
Tel.: +49 731 9642 8181
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Presse- und Öffentlichkeitsarbeit:
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Über den Albert Einstein Discovery Center Ulm e.V.
Am 14. März 1879 wurde Albert Einstein in Ulm geboren. Die Stadt gedenkt Albert Einstein zwar immer wieder in verschiedener und vielfältiger Art und Weise. Allerdings fehlt Ulm als Geburtsstadt Einsteins bisher eine öffentliche Einrichtung, die den bekanntesten Physiker aller Zeiten und berühmtesten Sohn der Stadt angemessen würdigt. Dies will das "Albert Einstein Discovery Center Ulm e.V." ändern. Gegründet wurde der Verein im September 2016 von Bürgerinnen und Bürgern aus Ulm und Umgebung. Neben Dr. Nancy Hecker-Denschlag als erste Vorsitzende sind Jens Burkert, Ditte Endriß, Dr. Karsten Bischoff und Erhard Sepp mit im Vorstand. Der Verein hat es sich zum Ziel gesetzt, eine öffentliche Einrichtung zu schaffen, die Einsteins Bedeutung für Wissenschaft und Technik, aber auch für Pazifismus, Humanismus und Völkerverständigung im Alltag für Bürgerinnen und Bürger in Form einer Erlebniswelt erfahrbar macht. Das Vorhaben sieht eine Einrichtung vor, die eine umfassende, moderne, interaktive und multimediale Gesamtschau präsentiert. Leben und Werk Albert Einsteins, Einsteins Theorien in aktueller Technik, die Umsetzung technischer Phänomene in Experimentierstationen im Science Center sowie das Menschsein Einsteins in all seinen Facetten sollen in Ausstellungen, Workshops, Vorträgen und Erlebniswelten erfahrbar werden.
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