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SWU Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm GmbH

09. Februar 2006

Ulm/Neu-Ulm

Umweltgerecht, sicher, kostengünstig – Fakten zur Fernwärme in Ludwigsfeld

Sonderausgabe SWU-Fakten

Ende der 90er Jahre begann die SWU die Fernwärme auf die allgemein übliche Wärmemessungs- und Abrechnungsmethode umzustellen. Eine Auseinandersetzung mit Gegnern dieser Umstellung wurde im September 2005 durch einen Vergleich beigelegt. Die tatsächlichen Fakten, Hintergründe und Zusammenhänge zur Fernwärmeversorgung in Ludwigsfeld wurden im Verlauf der Diskussion vielfach nur teilweise oder auch einseitig gewürdigt. Mit diesem Faktenblatt will die SWU deswegen einen Beitrag dazu leisten, die Diskussion um die Fernwärmeversorgung in Ludwigsfeld auf eine objektive Grundlage zu stellen.


Fernwärme: Effizient und umweltfreundlich

Als die SWU die Fernwärmeversorgung in Ludwigsfeld übernahm, übernahm sie auch ein Heizwerk, das komplett saniert und modernisiert werden musste. Neben dieser Modernisierung investierte die SWU aber auch in den Aufbau moderner Blockheizkraftwerke (BHKW), wie beispielsweise dem neuen BHKW im Wiley-Gelände, das seit 1999 ebenfalls Wärme für Ludwigsfeld erzeugt. Der Vorteil: In den modernen Anlagen wird nicht nur Wärme, sondern auch gleichzeitig Strom erzeugt, und dies mit einem sehr hohen Wirkungsgrad. Die Energiequellen – in diesem Falle Erdgas – werden also sehr viel effizienter genutzt als früher, mit den entsprechenden positiven Folgen für die Umwelt und das Klima. Aber auch das modernisierte Heizwerk in Ludwigsfeld ist weiter in Betrieb und trägt so seinen Teil zur Versorgungssicherheit bei.


Die Technik der Wärmeerzeugung hat sich in den vergangenen Jahren geändert, die Grundprinzipien der Versorgung sind jedoch gleich geblieben. Das gilt auch für die wirtschaftlichen Voraussetzungen. Ein Fernwärmenetz kann nur dann wirtschaftlich betrieben werden, wenn die Anschlussdichte hoch ist. Je niedriger die Anschlussdichte, desto höher die Kosten je Anschluss und damit auch der Preis für die Wärme. Aus diesem Grund haben die Stadt Neu-Ulm und die Käufer der Grundstücke im Bereich Ludwigsfeld schon seit 1968 in den Grundstückskaufverträgen vereinbart, dass diese Grundstücke an das Fernwärmenetz angeschlossen werden müssen. Die privatrechtliche Verpflichtung zum Anschluss an die Fernwärmeversorgung wurde vom Bundesgerichtshof in einem anderen Verfahren im Jahr 2002 für rechtmäßig erachtet. Dieser so genannte „Anschlusszwang“ ist damit Vertragsbestandteil und kann von einer dritten Partei wie der SWU nicht beeinflusst oder gar abgeschafft werden. Die Verwendung anderer Energiequellen wie Öl oder Gas wird durch diesen Vertragsbestandteil zwar ausgeschlossen, die Wärmeerzeugung durch rein regenerative Energiequellen, beispielsweise über Sonnenkollektoren, ist jedoch jederzeit möglich.


Ursprünge der Fernwärme in Neu-Ulm

1968 beschloss die Stadt Neu-Ulm „zur Reinhaltung der Luft das gesamte Neubaugebiet Ludwigsfeld durch ein zentrales Fernheizkraftwerk zu versorgen“. Dieses Fernheizkraftwerk wurde 1991 von den Stadtwerken Ulm/Neu-Ulm, der heutigen SWU, vom ursprünglichen Betreiber MAN Wärme- und Lufttechnik GmbH übernommen. Der Grund: In den Wärmepreisen der MAN waren die Kosten für die Modernisierung des Kraftwerks, die 1992 anstand, nicht mit einkalkuliert worden. Damit wären auf die Wärmekunden Kosten von mindestens 12 Millionen Mark zugekommen. Umgelegt auf eine Wohnung wären das rund 4.000 Mark gewesen, ein Hausbesitzer hätte rund 10.000 Mark bezahlen müssen. Diese zusätzliche finanzielle Belastung für die Haushalte konnte durch den Einstieg der SWU vermieden werden, weil die Aufwendungen zur Modernisierung von der SWU erbracht wurden.


Wärmemessung früher und heute

Während heute Häuser zur Fernwärmeversorgung mit zwei Leitungen – Vorlauf- und Rücklaufleitung – angeschlossen werden, wurden in den 70er Jahren oftmals drei Leitungen verlegt. Dabei handelte es sich um eine Zuleitung für das Heizungssystem, eine für die Warmwassererzeugung sowie einen Rücklauf. Der Grund: Im Sommer konnte so die Zuleitung zur Heizung abgestellt werden, während die Leitung zur Warmwassererzeugung offen blieb. Dies war jedoch damit verbunden, dass nur für den Heizkreislauf ein Wärmezähler eingebaut wurde. Die Berechnung der Kosten für das Warmwasser erfolgte mit Hilfe eines Kaltwasserzählers und einer Umrechnungsformel, die für alle gleich war, unabhängig von der tatsächlichen Wärmeabgabe über die Warmwasserleitungen im Haus (siehe Abb. 1). Das Problem: Wer seine Warmwasserleitungen gut isoliert hatte, um die Wärmeverluste zu minimieren, hatte keine Kostenersparnis, obwohl er sich ökologisch vorbildlich verhielt. Diese Wärmeverluste können teilweise erheblich ausfallen. Wie der Heizungshersteller Buderus gerechnet hat, betragen die Wärmeverluste bei schlecht isolierten Warmwasserleitungen zwischen 200 und 300 kWh pro Meter Rohrlänge im Jahr. Die SWU kennt Fälle, bei denen nach der Isolierung der Warmwasserrohre X kWh Wärme pro Jahr eingespart werden konnten.


Dieses Dreileitungssystem hat sich als als extrem unwirtschaftlich erwiesen. Deswegen stellte die SWU die Hausanschlüsse nach der Übernahme die Fernwärmeversorgung in Ludwigsfeld flächendeckend auf zwei Leitungen um. In der Folge wurde auch die Wärmemessung ab dem Ende der 90er Jahre durch das heute übliche, von den Fachverbänden empfohlene, Verfahren ersetzt. Bei diesem wird die tatsächlich insgesamt gelieferte Wärme über einen einzigen Wärmezähler ermittelt und abgerechnet (siehe Abb. 2). Die Abrechnung erfolgt somit verursachungsgerecht sowie ökologisch sinnvoll und nicht mehr über ein Ersatzberechnungsverfahren wie früher.


Fernwärme ist wirtschaftlich

Fernwärme hat sich längst als wirtschaftliche Alternative durchgesetzt. In Ulm und Neu-Ulm liegt der Anteil der Fernwärme bereits bei 40 Prozent – Tendenz steigend (siehe auch Fernwärme in Ulm und Neu-Ulm im Kasten an der Seite). Die Gründe für diesen Erfolg sind vielfältig. Ein wichtiger Grund ist sicherlich, dass der Anschluss an das Fernwärmenetz einfach und günstig ist. Eine Kesselanlage, wie sie bei Gas, Öl oder auch Holzpellets nötig ist, entfällt vollständig – und damit Kosten von rund 6.000 Euro für herkömmliche Heizanlagen bzw. rund dem doppelten Betrag für eine Anlage, die mit Holzpellets befeuert wird. Ebenfalls überflüssig sind Öltanks oder Lagerräume für Pellets, und auch die Wartung der Heizanlagen oder Überprüfungskosten durch den Schornsteinfeger fallen weg. In Summe sind das in der Regel weitere 500 Euro im Jahr. Demgegenüber stehen bei der Fernwärme die Kosten für die Station, mit der die Wärmeversorgung im Haus geregelt werden können. Diese sind jedoch mit 3.300 Euro zuzüglich Einbaukosten und einer Wartung von 133 Euro im Jahr deutlich niedriger als bei einer eigenen Heizanlage. Die Fernwärme-Station ist auch auf lange Sicht eine wirtschaftliche Lösung. Denn während man bei herkömmlichen Heizanlagen mit einer Lebensdauer von 15 Jahren rechnet, hält die Fernwärmestation in der Regel 30 Jahre, bevor sie ersetzt werden muss.


Fernwärme ist konkurrenzfähig

Die Energiepreise sind in den letzten Jahren auf breiter Front gestiegen (siehe Abb. 3). Das gilt natürlich insbesondere für Öl, aber auch für Gas, Kohle und Fernwärme. Denn diese Preise beeinflussen sich gegenseitig, nicht zuletzt, weil auch die Fernwärme oftmals mit Erdgas erzeugt wird, wie beispielsweise im BHKW auf dem Wiley-Gelände. Die Gründe für die Energiepreissteigerungen sind vielfältig: Der zunehmende Energiehunger von Ländern wie China oder Indien und immer knapper werdende Ressourcen tragen ebenso dazu bei wie politische Konflikte oder Naturkatastrophen. Fest steht: Die Preise für Energie werden auch in Zukunft steigen, sparen kann man dabei allenfalls durch einen vernünftigen Umgang mit Energie (siehe auch SWU-Fakten „Die Energiepreise steigen - Energiesparen ist die einzige Alternative“).


Was die Preisentwicklung ebenfalls deutlich macht: Die Preise für die unterschiedlichen Quellen steigen nicht gleichzeitig und immer in gleichem Maße. Das Erdgas folgt dem Öl als Folge der Ölpreisbindung beispielsweise in einem Abstand von einem halben Jahr, die Preisentwicklung wird dadurch geglättet. Deswegen ist es wichtig, immer die gesamte Preisentwicklung über einen längeren Zeitraum im Auge zu behalten. Denn es kann durchaus vorkommen, dass zu einem Zeitpunkt X das Heizen mit Öl günstiger ist als Fernwärme oder Gas. Dieses Verhältnis kann sich aber innerhalb von nur wenigen Wochen oder Monaten plötzlich umgekehrt darstellen, weil die Preise für die eine Energiequelle stark angezogen haben, für eine andere aber gleichzeitig konstant geblieben oder leicht gefallen sind. Eine Stichtagsbetrachtung – also die Frage: „Was kostet mich meine Energie heute?“ – macht deswegen in der Regel wenig Sinn. Es müssen stets neben den Gesamtkosten für eine Energieart auch die Gesetzmäßigkeiten des Energiemarktes mit einkalkuliert werden, wenn Preise miteinander verglichen werden. Dabei schneidet die Fernwärme gut ab: Ihr Preis hat sich in den vergangenen Jahren deutlich günstiger entwickelt als die Preise für Öl oder Erdgas.


Fernwärme in Ulm und Neu-Ulm

Der Anteil der Fernwärme liegt in Ulm und Neu-Ulm derzeit bei rund 40 Prozent. Produziert wird sie jeweils dort, wo sie benötigt wird. So versorgt etwa das Biomassekraftwerk der FUG die Weststadt und große Teile der Innenstadt mit Wärme. Das Industriegebiet Donautal und Wiblingen erhalten ihre Wärme von der Müllverbrennungsanlage, die ebenfalls über eine Kraft-Wärme-Kopplung verfügt. Moderne Blockheizkraftwerke versorgen zudem das Wiley-Gelände und Ludwigsfeld sowie Wohngebiete in Böfingen oder in Jungingen mit Fernwärme.


Hoher Wirkungsgrad der Kraft-Wärme Kopplung

Bei der so genannten Kraft-Wärme-Kopplung entweicht die bei der Stromerzeugung entstehende Abwärme nicht als „Abfallprodukt“, sondern wird in das Wärmenetz eingespeist. So wird die im BHKW produzierte Energie doppelt genutzt. Während konventionelle, zentrale Großkraftwerke nur ein Drittel bis zur Hälfte der eingesetzten Brennstoffe in nutzbringende Energie umsetzen und die Abwärme über Kühltürme oder Kühlwasser an die Umwelt abgeben, kann im BHKW beinahe die gesamte erzeugte Energie sinnvoll genutzt werden. Damit erreichen BHKW einen Gesamtwirkungsgrad von 85 Prozent. Auch aus Verbrauchersicht sind sie wesentlich effizienter als herkömmliche Heizungsanlagen, denn die ins Haus gelieferte Wärme kann zu 100 Prozent genutzt werden. Wird Wärme dagegen durch eine herkömmliche Heizungsanlage erzeugt, geht bei der Verbrennung der Energieträger immer ein Teil dieser Energie verloren. Je nach Alter der Anlage sind dies bis zu 25 Prozent.


Blockheizkraftwerke sind klimafreundlich

Ein Blockheizkraftwerk ist eine kompakte Einheit, bestehend aus einem mit Erdgas betriebenen Otto-Verbrennungsmotor, einem Generator und Wärmetauschern. Zur Stromerzeugung treibt der Otto-Motor den Generator an. Die Abwärme des Motors wird zur weiteren Nutzung ausgekoppelt und Katalysatoren sorgen für die Senkung der Abgas-Werte. Durch die Kraft-Wärme-Kopplung erreicht das BHKW nicht nur einen hohen Gesamtwirkungsgrad, es arbeitet auch besonders klimaschonend: Das Kraftwerk spart so bis zu 50 Prozent CO2-Emissionen ein. Auch die sonstigen Emissionen sind geringer als es die vom Gesetzgeber in der „Technischen Anleitung Luft“ festgelegten Grenzwerte vorschreiben.


Investitionen in die Zukunft

Mehr als 9 Millionen Euro hat die SWU seit Mitte der 90er Jahre in den Bau von Blockheizkraftwerken investiert. Und auch der Ausbau der Wärmenetze wurde mit Millionenaufwand vorangetrieben. Aber auch die bestehenden Netze werden ständig instand gehalten und modernisiert, damit die Versorgungssicherheit gewährleistet bleibt. Allein in das Ludwigsfelder Wärmenetz werden so jährlich 250.000 Euro investiert.


Autor: Uwe Pagel

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