

SWU-Fakten: Damit der Verkehr fließt - Betriebshof und Verkehrsleitstelle
SWU-Informationskampagne Folge 12
Tagtäglich ab 4 Uhr morgens herrscht bei der SWU Verkehr Hochbetrieb: 66 Autobusse und sechs Straßenbahnen schwärmen nach und nach aus, um die Ulmer und Neu-Ulmer Bürger in den nächsten 21 Stunden pünktlich und zuverlässig im Stadtgebiet von A nach B zu transportieren. Was dem Fahrgast verborgen bleibt: „Hinter den Kulissen“ sorgt in der Verkehrsleitstelle und im Betriebshof der SWU Verkehr ein perfekt eingespieltes Team dafür, dass der öffentliche Nahverkehr in der Doppelstadt funktioniert. Disponenten, Wagenwärter, Werkstatt-Personal und Datentechniker sind an 365 Tagen im Jahr beinahe rund um die Uhr im Einsatz, um den Fuhrpark zu koordinieren, zu warten und zu überwachen, und gewährleisten so einen reibungslosen logistischen Ablauf. Mehr noch: Mit geschultem Blick erkennen sie frühzeitig mögliche Störungen und Gefahren und können rechtzeitig eingreifen.
Neubau und Eröffnung des Verkehrsbetriebshofs im Jahre 2002
Das Herz der Nahverkehrs-Infrastruktur schlägt in der Ulmer Weststadt in unmittelbarer Nähe des Westplatzes: Nach sechsjähriger Bauzeit wurde hier auf 40.000 Quadratmetern Fläche im Jahr 2002 ein Verkehrsbetriebshof mit modernster Ausstattung eröffnet. Er besteht aus einer Wagenhalle, einer Zentralwerkstatt für Busse und Straßenbahnen und einem Verwaltungs-gebäude mit der Verkehrsleitstelle. Der insgesamt 43 Millionen Euro teure Neubau ersetzt die Vorgängerbauten aus den Zwanzigerjahren, die den Anforderungen, die ein Verkehrsbetrieb an die Infrastruktur stellt, schon lange nicht mehr genügten.
Leitstelle: Hier laufen die Fäden zusammen
Die im Drei-Schichtbetrieb täglich von 3.30 Uhr bis 1.00 Uhr besetzte Leitstelle der SWU Verkehr ist die „Kommandozentrale“ des öffentlichen Nahverkehrs. Von hier aus überwacht und steuert ein Disponent über ein komplexes EDV-System und Straßenkameras, die an wichtigen Verkehrsknotenpunkten angebracht sind, die gesamte Fahrzeugflotte und die Verkehrsflüsse. Über ein so genanntes „Rechnergestütztes Betriebsleitsystem“ (RBL) ist jeder Bus und jede Straßenbahn über Funk mit der Leitstelle verbunden. Zusätzlich orten Infrarot-Sensoren entlang der Linien die einzelnen Fahrzeuge auf fünf Meter genau. Die Funkverbindung und die Infrarot-Ortung gewährleisten, dass die Leitstelle jederzeit über den aktuellen Standort jedes einzelnen Fahrzeugs informiert ist. So ist der Disponent jederzeit darüber im Bild, ob die Busse und Bahnen fahrplanmäßig verkehren oder ob sie Verspätung haben oder zu früh eintreffen. Über einen Bildschirm, der die Linienbänder, Haltestellen und die einzelnen Fahrzeuge in einer dynamischen Grafik anzeigt, hat er eine Gesamtübersicht über den Betriebszustand. Wird ein Fahrzeug beispielsweise in grüner Farbe dargestellt, verkehrt es pünktlich, ist es rot dargestellt, hat es Verspätung. Mit Hilfe dieses Überwachungs-systems und der Funkverbindung zu den Fahrern kann der Disponent in den Verkehrsfluss vorausschauend und steuernd eingreifen. Das ist die Hauptaufgabe. Zusätzlich nimmt die Leitstelle Bestellungen für das Anruf-Sammel-Taxi „MobilSAM“ entgegen, informiert die Polizei, wenn ein Busfahrer über Funk einen Unfall oder Zwischenfall durchgibt, leitet Beschwerden von Fahrgästen weiter und koordiniert beispielsweise auch die Rückgabe von Fundsachen. Neben dem Disponenten in der Leitstelle überwacht ein mobiler Außendienst-Mitarbeiter die Betriebsabläufe „on the road“ und hilft zum Beispiel bei Unfällen oder Betriebsstörungen.
Wagenhalle und Zentralwerkstatt: Wartung und Pflege der Fahrzeugflotte
Dafür, dass die Busse und Straßenbahnen jeden Morgen pünktlich ihren „Dienst“ antreten können und tagsüber zuverlässig funktionieren, sorgen die SWU-Mitarbeiter in der Wagen-halle und der Zentralwerkstatt. So genannte Wagenwärter nehmen am Ende des Tages die im Betriebshof eintreffenden Fahrzeuge entgegen und fahren sie in die Wagenhalle. Hier werden die Busse betankt und sämtliche Fahrzeuge gewaschen sowie täglich auf ihre technische Funktionstüchtigkeit und auf eventuelle Schäden überprüft. Neben den acht Straßenbahnen-Abstellplätzen gibt es 80 Bus-Standplätze, die alle mit Anschlüssen für Druckluft, Strom und einer Datenleitung ausgestattet sind. Die Wagenwärter stellen die Fahrzeuge in der Wagenhalle in jener Reihenfolge ab, in der sie am nächsten Tag zum Einsatz kommen. Über die Datenkabel werden die Standorte der Busse an einen Zentralrechner in der Leitstelle durchgegeben. Dadurch wird das zeitraubende Suchen der Fahrzeuge überflüssig: Der Disponent gibt den Fahrern bei Dienstbeginn den genauen Bus-Abstellplatz durch.
Eine große Werkstatt – für SWU-Fahrzeuge und andere
Die Wartung und Reparatur der Fahrzeuge wird in der Zentralwerkstatt durchgeführt. Mit dem Neubau wurden die zuvor räumlich getrennten Bus- und Straßenbahnwerkstätten zusammengeführt, um den Mitarbeitern einen besseren fachlichen Austausch zu ermöglichen. Doch nicht nur Busse und Straßenbahnen werden hier instand gesetzt. Die Zentralwerkstatt betreut seit 2002 zusätzlich die gesamte Fahrzeugflotte der SWU-Unternehmensgruppe: Vom Pkw über den Lkw bis hin zur Kehrmaschine und zum Schneeräum-Fahrzeug. 18 Mitarbeiter kümmern sich um die Busflotte, sechs Mitarbeiter betreuen die Straßenbahnen. Unterstützt werden sie von einem Schreiner und einem Maler. Die Werkstatt wartet dazu noch eine Reihe von Fahrzeugen fremder Firmen, wie zum Beispiel der Regionalbus Augsburg oder der SWU-Tochter Fernwärme Ulm.
Texte für Info-Kästen:
Projekt RUDY*: verbesserte Information, flexibler und bedarfsgerechter Nahverkehr
Im Rahmen des Forschungsprojekts RUDY entwickelt und testet die SWU Verkehr gemeinsam mit den Partnern DB ZugBus RAB, DING und den Neu-Ulmer Donau-Taxen innovative Angebote für den öffentlichen Personennahverkehr und bietet den Fahrgästen verbesserte und erweiterte Informationsmöglichkeiten. Auf ausgewählten Linien fahren die Busse der SWU Verkehr die Haltestellen flexibel und bedarfsgerecht an. Das heißt, die Haltepunkte werden nur bedient, wenn der Fahrgast eine entsprechende Fahrt über Telefon oder Internet gebucht hat. Zudem lässt die SWU Verkehr dem Fahrgast auf Anfrage Informationen über Verspätungen und Ausfälle per SMS zukommen. Auch werden im Rahmen von RUDY die Verkehrsleitstellen der SWU Verkehr und der RAB über eine Schnittstelle miteinander vernetzt und auf einer gemeinsamen Plattform zusammengeführt: Auf diese Weise können die Anschlussverbindungen beider Verkehrsunternehmen noch besser miteinander gekoppelt und koordiniert werden.
Alter Standort, neuer Betriebshof
Am 4. Oktober 2002 wurde der neue Betriebshof der SWU Verkehr eröffnet. Seit 1996 entstanden in drei Bauabschnitten die Wagenabstellhalle, das Betriebsdienstgebäude und die Zentralwerkstatt. Am Bau waren rund 80 Firmen und Handwerksbetriebe beteiligt und es wurden insgesamt 1.200 Tonnen Stahl verbaut. Um den Neubau in Angriff nehmen zu können, wurden zwei Nachbargrundstücke zugekauft, womit sich das SWU-Areal auf das Dreifache vergrößerte. Im Vorfeld waren nicht weniger als 15 Standorte untersucht worden: Die Erweiterung des Geländes eröffnete schließlich die Möglichkeit, am traditionellen Standort festzuhalten und die Vorgängerbauten aus dem Jahr 1926 zu ersetzen.
Neubau: großzügig und ansprechend gestaltet, umfangreich ausgestattetMit einer Nutzfläche von 8.400 m2 bietet die Zentralwerkstatt viel Platz für die Wartung und Reparatur der Fahrzeugflotte. Sie besteht aus zwölf Arbeitsständen für Busse, zwei Straßenbahn-Ständen und weiteren zwei Arbeitsständen für Pkw und Kleinlaster. Ein Zentrallager, ein Lager für Klein-Ersatzteile, eine Lackieranlage sowie Schreinerei, Spenglerei, Schlosserei, Elektrolabor und Sozialräume komplettieren die Zentralwerkstatt. Die Wagenhalle umfasst mit 11.660 m2 Nutzfläche insgesamt circa 90 Abstellplätze für Busse und Straßenbahnen sowie eine Tank-, Wasch- und Inspektionsanlage. Das moderne Bürogebäude der SWU Verkehr rundet mit einer Aluminium-Glas-Fassade und einer Nutzfläche von 5.400 m2 das Ensemble ab.
Autor: Bruno Lukas