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Schleupen AG

10. Mai 2006

Moers / Herborn

Shared Services: Eigenes Know-how für neue Angebote nutzen

Stadtwerke Herborn auch als IT-Kompetenz-Center erfolgreich

„Shared Services“ sind bei vielen Stadtwerken zu einem zentralen Baustein für die Umsetzung des Unbundling geworden. Mit einem eigenen Dienstleistungsbereich werden dabei sowohl der Netzbetrieb als auch die Lieferantenseite mit Abrechnungsservices, IT-Unterstützung oder mit Buchhaltungsdienstleistungen versorgt. Zunehmend vermarkten nun die neuen Shared Service-Bereiche ihr Know-how auch an externe Kunden. Eine Chance gerade auch für kleinere Stadtwerke, wie das Beispiel der Stadtwerke Herborn zeigt, die sich in den letzten Jahren zu einem erfolgreichen IT-Dienstleister entwickelt haben.


Mit einer Bilanzsumme von knapp 23 Millionen Euro und insgesamt 10.500 Kunden gehören die Stadtwerke Herborn sicherlich nicht zu den großen Stadtwerken in Deutschland. Dennoch erkannten sie frühzeitig die Möglichkeiten, die ein offensiver Umgang mit der Liberalisierung der Energiemärkte bot. Gerade auch was die Erschließung neuer Geschäftsfelder angeht. Schon im Jahr 2000 gab es die ersten Ideen, wie man das im Hause vorhandene Know-how für den Aufbau neuer Dienstleistungsangebote nutzen könnte. Im Fokus stand dabei die Informationstechnologie. „Nachdem wir über jahrelange Erfahrungen beim Betrieb einer Inhouse-EDV auf Basis der Branchenlösung von Schleupen gesammelt hatten, kamen wir auf den Gedanken, diese Erfahrungen auch anderen Werken zur Verfügung zu stellen“, beschreibt Wolfgang Mann, kaufmännischer Leiter der Stadtwerke Herborn, die Anfänge. Ein erster Anlauf zu einer Kooperation mit einem benachbarten Wasserwerk verlief zwar zunächst im Sande. Doch schon mit dem zweiten Interessenten, den Stadtwerken Haiger, kam man ernsthaft ins Gespräch. „Im Grunde ging es den Stadtwerken Haiger ähnlich wie vielen anderen Stadtwerken: Auf der einen Seite benötigten sie dringend eine neue IT-Lösung, um sich den Herausforderungen des liberalisierten Marktes stellen zu können. Auf der anderen Seite scheuten sie vor dem Aufwand zurück, diese Lösung selbst einzuführen, zu betreiben und das dazu notwendige Know-how im Hause aufzubauen“, so Mann zur Ausgangssituation.


Im Jahr 2001 starteten die Stadtwerke Herborn zunächst als reiner Rechenzentrumsdienstleister für die Stadtwerke Haiger. Doch schnell wurde klar, dass dies nicht ausreichte. „Wer sich mit Informationstechnologie beschäftigt, muss sich automatisch auch mit den Geschäftsprozessen beschäftigen, die von der IT-Lösung abgebildet werden“, so Markus Christ, Bereichsleiter Abrechnung & Service bei den Stadtwerken Herborn. Dementsprechend bauten die Stadtwerke Herborn ihr Service-Angebot schnell aus. Ob Schulungen, ob Beratung in Sachen Abrechnung oder Controlling, das Leistungsspektrum wurde sukzessive größer. „Uns war es in erster Linie wichtig, qualitativ gute Arbeit zu leisten und mit unseren Kunden ‚in die Breite’ zu wachsen, statt um jeden Preis neue Kunden zu gewinnen“, so Christ weiter. Im Rahmen dieser Strategie gehörten die Stadtwerke Herborn dann auch zu den ersten Unternehmen, die sich als „Schleupen-Kompetenz-Center“ nennen durften. „Wie es der Name sagt, geht es bei diesem Modell nicht ausschließlich darum, Software zu implementieren und zu betreiben. Es geht vielmehr darum, andere Stadtwerke am eigenen Know-how teilhaben zu lassen“, begründet Wolfgang Mann diesen Schritt. Ein Ansatz, der auch Stadtwerke, die größer sind als Herborn, überzeugte. Etwa die Stadtwerke Bad Vilbel, die seit 2002 zu den Kunden gehören.


„Statt das Rad immer neu zu erfinden, ist es gerade für die kleinen und mittleren Stadtwerke weitaus sinnvoller, im Rahmen von ‚Shared Services’ kooperativ zusammenzuarbeiten. Denn da kann das eine Stadtwerk direkt von der Erfahrungen profitieren, die ein anderes Werk mitbringt“, fasst Lothar Ripp, Leiter der Verbrauchsabrechnung bei den Stadtwerken Bad Vilbel seine Erfahrungen zusammen. Die Stadtwerke Bad Vilbel waren von einem kommunalen Rechenzentrum zu den Stadtwerken Herborn gewechselt, nachdem sie sich im Rahmen einer ausführlichen Software-Evaluation für das Branchenpaket Schleupen.CS entschieden hatten. „Für uns stand fest, dass wir keine eigene Infrastruktur für den Betrieb dieses Systems aufbauen wollen. Und wir wollten einen Partner, der etwas von der Energiewirtschaft und ihren Prozessen versteht“, so Lothar Ripp zu den Gründen für die Entscheidung zugunsten der Kooperation mit Herborn. Eine Entscheidung, die er nicht bereut hat. Im Gegenteil: Längst gibt es Projekte, die deutlich über den ursprünglich geplanten Umfang hinausgehen, etwa die Entwicklung eines neuen Internetauftritts oder der Ausbau des Controllings.


Nachdem die Stadtwerke Herborn mit den IT-Dienstleistungen schon sehr früh einen „Shared Service“ aufgebaut hatten, setzen Sie dieses Modell im Zuge des Unbundling auch in den weiteren Querschnittsbereichen konsequent um. Ob Informationstechnologie, Abrechung oder Rechnungswesen, all diese Funktionen werden heute in Herborn zentral organisiert und dem Netz- beziehungsweise dem Lieferantenbereich als Dienstleistung angeboten. „Wir überlegen natürlich, welche dieser Leistungen wir künftig ebenfalls unseren externen Kunden anbieten können. In Frage kommen da etwa die Buchhaltung oder die Abrechnung, bei der wir unsere Kunden ja auch schon heute bei Bedarf unterstützen. Momentan sind wir mit den bestehenden Aufgaben aber so ausgelastet, dass wir das noch gar nicht konkret angehen konnten“, so Wolfgang Mann zu den Perspektiven für die Zukunft. Schließlich setzen inzwischen nicht nur die Stadtwerke Haiger oder Bad Vilbel auf das Know-how aus Herborn. Auch der Softwarelieferant, die Schleupen AG selbst, nutzt heute die Praxiserfahrungen seines Kunden. „Als Kompetenz-Center sind wir inzwischen bundesweit aktiv, beispielsweise im Schulungsbereich. Aber auch bei der Einführung von Schleupen.CS haben wir bereits viele Anwender aktiv unterstützt“, so Mann weiter. Ihm ist deswegen vor der weiteren Zukunft nicht bange. Schon gar nicht, seitdem die Stadtwerke Haiger den zunächst auf vier Jahre befristeten Vertrag erst kürzlich um zehn weitere Jahre verlängert haben.



Autor: Uwe Pagel, exklusiv für Energie Spektrum 05/06