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Schleupen AG

24. Mai 2002

Moers

Mit dem Risikomanagement auch die Chancen entdecken

Energie Südwest AG setzt auf R2C – Risk to Chance - von Schleupen

Machen müssten es eigentlich alle, doch viele

Energieversorger zeigen beim Thema

Risikomanagement immer noch

Berührungsängste. Eine Zurückhaltung, die

Sieglinde Spira-Zimmer, verantwortlich für

das Risikomanagement bei der Energie

Südwest AG in Landau nicht versteht. Denn

für sie bedeutet „Risikomanagement“ nicht

nur eine Pflichtübung nach KonTraG, sondern

vor allem auch „Chancenmanagement“.

Schon seit dem Jahr 2000 ist die Energie

Südwest im Risikomanagement aktiv, seit

diesem Jahr setzt man mit dem System R2C

– Risk to Chance – von Schleupen jetzt auch

eine entsprechende Softwarelösung ein, die

hilft, die Risiken elektronisch zu managen.

„Im Prinzip braucht man keine Software, um

Risikomanagement zu betreiben“, so

Sieglinde Spira-Zimmer, die neben dem

Risikomanagement auch für die

Innenrevision bei der Energie Südwest AG

verantwortlich ist. „Doch die Software macht

das Leben leichter, und sie fördert das

Risikobewusstsein, weil die Risiken für die

verantwortlichen Mitarbeiter transparent

werden.“ Grundlage bleibt für sie jedoch,

dass im Unternehmen eine „Risikokultur“

besteht, dass die Mitarbeiter ihre

Entscheidungen immer vor dem Hintergrund

ihrer möglichen Auswirkungen betrachten.

Begonnen hat in Landau alles mit der

Umwandlung der Stadtwerke Landau zur

Energie Südwest AG. Als Aktiengesellschaft

war man ohnehin verpflichtet, ein

Risikomanagement einzuführen, doch da die

BEWAG, mit 51 Prozent der neue

Mehrheitsaktionär in Landau, bei diesem

Thema zu den Vorreitern in der

Energiewirtschaft zählte, fiel dieser Einstieg

sehr viel systematischer und konsequenter

aus, als das bei anderen Energieversorgern

meist der Fall ist. Von Beginn an lag das

Risikomanagement in der Verantwortung des

Vorstands, die Durchführung wurde der

Innenrevision übertragen, die ohnehin bereits

als Stabsstelle fungierte. Damit war die

Bedeutung, die der Vorstand dem Thema

gab, klar. Etwas aufwendiger gestaltete sich

der Prozess, diese Vorgabe in eine echte

Risikokultur zu überführen, die das gesamte

Unternehmen durchzieht. Denn hier war

Grundlagenarbeit gefordert. Schließlich ist die

Energie Südwest mit ihren etwas mehr als

100 Mitarbeitern nicht mit der BEWAG

vergleichbar, das BEWAG-Modell konnte

schon deswegen nicht einfach übernommen

werden.

Zuerst machte man sich in Landau deswegen

an den klassischen ersten Schritt im

Risikomanagement, die Risiken zu

identifizieren und grob zu bewerten. Schnell

erwies sich hier der erste Ansatz, lediglich

zwischen technischen und kaufmännischen

Risiken zu unterscheiden, als unzureichend.

Vielversprechender schien es, die BEWAG-

Systematik mit ihren sechs Risikofeldern zu

übernehmen und an die Bedürfnisse der

Energie Südwest anzupassen. So wurde

diese Systematik als Grundlage genommen

und abgeprüft, welche Risiken auch für die

Energie Südwest vorlagen, und welche nicht.

Das Ergebnis: ein Risikoatlas für einen

kleinen Energieversorger, der heute auch die

Basis für die Arbeit mit R2C von Schleupen

bildet. In diesem Risikoatlas sind die Risiken

zunächst nach Risikokategorien unterteilt:

nach „strategischen Risiken“, „Marktrisiken“,

„Finanzmarktrisiken“, „politisch-rechtlichen-

gesellschaftlichen Risiken“, „Risiken aus

Corporate Governance“ und

„Leistungsrisiken“. Typische Einzelrisiken des

Energiemarktes, wie die Beschaffung oder

die Auswirkungen der Liberalisierung, findet

man hier bei den Marktrisiken. Andere,

allgemeingültigere Risiken, wie die einer

mangelhaften Kommunikation oder

Motivation, sind dagegen im Bereich

Corporate Governance, also der

Unternehmenskultur angesiedelt. Der Phase

der Risikoindentifizierung folgte die Phase

Bewertung. Um hier die eher qualitativen

Aussagen zum Schadenspotenzial (wie klein,

mittel und hoch) mit quantifizierbaren

Aussagen (etwa in Euro) zusammenführen zu

können, wurde ein Schlüssel mit einer Skala

von 1 bis 5 entwickelt: Dabei steht 1 für

„unbedeutend“ und 5 für

„bestandsgefährdend“. In Heller und Cent

ausgedrückt bedeutet das, wenn der

mögliche Schaden die Höhe der Hälfte

des

Eigenkapitals erreicht, dann ist dies

„bestandsgefährdend“. Sowohl das

Handbuch wie auch dieser Schlüssel sind

heute in R2C integriert, sämtliche

Bewertungen sind damit auf einen Blick

erfassbar und müssen nicht erst „übersetzt“

werden.

Definiert wurde schließlich ein Risikoprozess.

Schritt eins dieses Prozesses ist die Risiko-

Inventur. In regelmäßigen Abständen

treffen

sich die Risikomanagerin und die jeweiligen

verantwortlichen Bereichs- bzw.

Sachgebietsleiter, die “Risk-Owner“, um die

vorhanden Risiken und ihre Entwicklung zu

besprechen, neue Risiken zu identifizieren

und Maßnahmen für deren Bewältigung zu

entwickeln. Hier hat sich, so die Erfahrung von

Sieglinde Spira-Zimmer, die Einführung von

R2C besonders positiv bemerkbar gemacht.

Denn während früher beim Arbeiten mit Word

oder Excel eher unstrukturierter Aussagen die

Regel waren, zwingt R2C die Risk-Owner

dazu, ihre Risiken strukturiert zu erfassen.

Beschreibung, Bewertung, Maßnahmen zur

Risikobewältigung, all das wird Schritt für

Schritt abgefragt. Im Falle der

Energiebeschaffung sind das beispielsweise

der Verzicht auf Zwischenhändler, die

Einführung eines ausgereiften

Prognoseverfahrens, oder auch einfach in

kalten Wintern die so genannten

„abschaltbaren Kunden“ wie Schulen oder

Krankenhäuser rechtzeitig von Gas- auf

Ölheizung umzuschalten, um so teure

Verbrauchsspitzen zu vermeiden. „Da R2C die

Mitarbeiter dazu zwingt, solche Informationen

strukturiert zu erfassen, sie aber dann auch

völlig transparent darstellt, ist das

Risikobewusstsein im Unternehmen

nochmals deutlich besser geworden,“ so

Sieglinde Spira-Zimmer. Mit messbaren

Folgen, wie im Falle des Risikos

„Forderungsausfälle“. Hier wurden erstmals

über das Risikomanagement die kritischen

Fälle, speziell bei den Großkunden identifiziert

und bewertet. Die erste Konsequenz war es,

die Überwachung des Zahlungseingangs

nicht mehr quartalsweise, sondern monatlich

durchzuführen, die zweite, die Problemfälle

konsequent auf Vorauszahlung umzustellen.

Diese Maßnahme führte zu einer deutlich

besseren Zahlungsmoral, und damit wurde

nicht nur ein Risiko minimiert, sondern

gleichzeitig auch die Chance genutzt, die

Liquidität des Unternehmens zu verbessern.

Der Schritt zwei des

Risikomanagementprozesses bei der

Energie Südwest AG ist die Aufstellung des

„Risikoinventars“, also ein aktueller

Lagebericht. Was früher aufwändig in Word

(Prosa) und Excel (Zahlen) erstellt werden

musste, geschieht heute per Knopfdruck. In

Form einer Risk-Map sind beispielsweise die

15 wichtigsten Risiken in einer Matrix

darstellbar, die sowohl die Dimension der

Eintrittwahrscheinlichkeit als auch die der

möglichen Schadenshöhe umfasst. Gerade

für das Management ein unschätzbarer

Vorteil, wenn es darum geht, das

Risikomanagement als Instrument für die

Unternehmensführung zu benutzen. Jederzeit

und aktuell steht dafür heute ein Überblick

über die aktuelle Risikolage zur Verfügung.

Schritt drei ist in Landau schließlich das

Berichtswesen. Dies wird heute weniger für

die Erstellung von Berichten für die Aktionäre

genutzt (die BEWAG bevorzugt nach wie vor

die ausformulierte Berichtsform). Wichtig ist

das Berichtswesen aber für die interne

Kommunikation. Besonders wertvoll ist hier

die Möglichkeit, ad-hoc-Berichte zu erstellen,

etwa wenn bestimmte Schwellwerte

überschritten werden. Diese Berichte können

dann sofort via Notes intern verbreitet und

entsprechende Maßnahmen eingeleitet

werden.

Das Fazit von Sieglinde Spira-Zimmer ist

eindeutig: „Gerade auch für kleinere

Energieversorger lohnt es sich, das Thema

Risikomanagement offensiv anzugehen, denn

hinter den Risiken verbergen sich jede Menge

Chancen, die oft erst entdeckt werden, wenn

man sich mit den Risiken strukturiert

auseinandersetzt.“ Dies dann mit einem

System wie R2C umzusetzen war für

Sieglinde Spira-Zimmer das kleinere

Problem, denn sie musste lediglich die

bereits erarbeiteten Ergebnisse wie den

Risikoatlas, die Unternehmenshierarchie

oder die Risikoindikatoren nur noch im

System hinterlegen und war damit sofort

arbeitsfähig – ohne langwierige Einführung

oder Schulungen. Aber R2C eignet sich aus

ihrer Sicht auch für Einsteiger. „Mit dem neuen

Risikoatlas für die Energiewirtschaft kann

man so vorgehen, wie wir das gemacht

haben. Einfach die Risiken durchgehen und

prüfen, welche Risiken zutreffen und welche

nicht. Trotzdem entbindet das die

Unternehmen nicht davor, ein echtes Know-

how im Risikomanagement aufzubauen, und

dem Thema vor allem den richtigen

Stellenwert zu geben“, so Sieglinde Spira-

Zimmer. „Ohne eine entsprechende

Risikokultur im Unternehmen nutzt auch die

beste Software nichts.“

Autor: Uwe Pagel

Weitere Informationen:

 

Schleupen AG – Martina Nawrocki

Tel.: +49 5031 963 330 – Fax: +49 5031 963

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