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EnDaNet GmbH

22. Oktober 2004

Erfurt

Einer für alle, alle für einen

Stadtwerke-Trio realisiert Beschaffungspool Bergisch-Land

exklusiv für Energie & Management, erschienen am 15.10.2004


Mit der Anschaffung einer mandantenfähigen Software und dem intensiven Einstieg in das Stromhandelsthema hat die Wuppertaler Stadtwerke AG (WSW) den Grundstein für ihr Regiokonzept gelegt, dessen Ziel ein Netzwerk auf verschiedenen Kooperationsfeldern ist. Es ermöglicht Partnern, mit WSW gemeinsam Strom zu beschaffen und Synergien zu nutzen. Aktuelle Partner sind die Stadtwerke Velbert und die EWR aus Remscheid.


Das Auslaufen bestehender Versorgungsverträge war Auslöser für die Stadtwerke Wuppertal AG (WSW) und die Stadtwerke Velbert GmbH (SWV), die Strombeschaffung auf den Prüfstand zu stellen: Die Vollversorgung moderner Art, auf Basis ganz neuer Verträge, musste sich den Vergleich mit der strukturierten Beschaffung gefallen lassen. Schlussendlich entschieden sich die Verantwortlichen für Letztere. Nicht nur die Option auf bessere Preise machte Appetit auf eine eigene, aktive Beschaffung, sondern auch die Tatsache, dass wertvolles Wissen im eigenen Hause generiert und nutzbar gemacht werden kann. Denn wie soll man Großkunden mit Produkten bedienen können, die man nicht aus eigener Erfahrung kennt, sagt WSW-Energiehändler Norbert Eichhorn.


Diese Entscheidung zog Einiges mit sich: Den Aufbau einer Gruppe von Mitarbeitern für Energiebeschaffung und Portfoliomanagement, die heute sechs Mitarbeiter umfasst, die Anschaffung von IT-Werkzeugen und den Aufbau von Know-how. Eigentlich zu schade, das alles nur für die WSW und SWV alleine nutzbar zu machen. Ziel ist es daher, weitere interessierte Stadtwerke für eine Beschaffungs-Partnerschaft ‚auf Augenhöhe’ zu gewinnen, wie Energiehändler Niels Janzik betont. Von Anfang an stand fest, dass wir damit Synergien schaffen wollen und die Vorteile einer gemeinsamen Beschaffung allen Partnern zugute kommen sollen. Für eine faire Kostenverteilung sorgt die Umlage entsprechend der jeweiligen Strombezugsmengen. Für den Beschaffungszeitraum 2005, der aktuell bereits weitgehend abgeschlossen ist, ist die EWR GmbH aus Remscheid mit von der Partie.


Die passende Basis für das Regiokonzept bildet eine Software-Landschaft, die in Deutschland wohl einmalig ist. Geschaffen wurde sie durch den Generalunternehmer, die VA TECH SAT GmbH aus Waltershausen und die EnDaNet GmbH, Erfurt. Mit der Software EDM SAT PROPHET von VA TECH SAT und dem Portfoliomanagementsystem E-Risk-POWER der Schweriner DACHS GmbH ergab sich ein Konstrukt, das offen für Erweiterungen ist. Gegenüber dem Kunden traten die Anbieter als Einheit auf: Für die Bezugsgemeinschaft war es praktisch ebenso, als komme die Lösung aus einer Hand. Eichhorn berichtet, warum diese Kombination schließlich zum Zuge kam: Eine Lösung, die das Prognose- und Portfoliomanagement zugleich abdeckt und unseren Wünschen entsprach, gab es nicht, und mit der realisierten Kombination haben wir ein System, dessen Schnittstellen sauber funktionieren. Kein Wunder: Für E-Risk-POWER hat EnDaNet den Vertrieb in Deutschland vor zwei Jahren übernommen und das Produkt seitdem gemeinsam mit den Softwareentwicklern der DACHS weiter entwickelt. Und das in jahrelanger Zusammenarbeit entstandene übergreifende Know-how der EnDaNet und der VA TECH SAT hat sich in vielen realisierten Projekten schon ausgezahlt.


E-Risk-POWER hat im Rahmen des Projektes deutlich an Funktionen zugelegt und wurde zudem fit für den Betrieb durch unabhängige Anwender, die Regiopartner, gemacht. Zu den neuen Funktionen zählen unter anderem der Hourly Price Forward Curve Builder, sagt Tilo Eschrich von der EnDaNet. Er erlaubt die preisliche Bewertung von Lastgängen und Portfolios, wobei Kraftwerkskapazitäten oder Standard- und Fahrplanprodukte einbezogen werden können. Das war speziell für die WSW ein interessantes Kriterium, denn rund 900 GWh/a Strom werden in den beiden Heizkraftwerken in Eigenregie erzeugt und vermarktet.


Neu hinzugekommen sind außerdem das Abrechnungsmanagement und ein Modul zur Portfoliozerlegung und -optimierung. Eschrich: Die Portfoliozerlegung und -optimierung gestattet zum Beispiel, diverse Einkaufskanäle einzubeziehen und Beschaffungsszenarien aufzustellen. Die Szenarien können andere Strategien ausdrücken oder Restriktionen berücksichtigen - unter anderem den Verzicht auf langfristige Stromhandelsgeschäfte. Für die Regiopartner bedeutet das, unterschiedliche Rahmenbedingungen simulieren zu können und sich auf Basis der Software für eine Strategie zu entscheiden. So fällt es leichter, Geschäfte an der Strombörse EEX zu bewerten oder die Offerten aus anderen Einkaufskanälen abzuschätzen.


Die Anbindung von EDM SAT PROPHET an die SAP IS-U-Umgebung war Standard. Matthias Sänger von VA TECH SAT: Unsere Lösung für die Energieprognose und das Bilanzkreismanagement deckte nahezu die Wünsche der Regiopartner ‚ab Werk’ ab. Auch die geforderte Übernahme von Zeitreihen in den Formaten MSCONS oder CSV war kein Problem. Und das Erstellen frei konfigurierbarer Schnittstellen zur Übernahme von Marktdaten war mit geringem Aufwand geschehen. Was wir machen mussten, war hauptsächlich die Konfiguration entsprechend der Kundenwünsche. Da macht uns der modulare Aufbau der Software die Arbeit einfach.


Die Datenschnittstelle zu den Regiopartnern bildet E-Risk-POWER, zum Beispiel zu der Stadtwerke Velbert, die mit den WSW zusammenarbeitet. Die Velberter Lastprognose wird regelmäßig nach Wuppertal übermittelt und dort aggregiert. Beim Aggregieren, so Janzik, ergeben sich oft günstigere Konditionen, zum Beispiel dass sich die Unterdeckung des einen Partners durch eine Überdeckung des anderen kompensieren lässt.


Seit Januar arbeiten Eichhorn, Janzik und ihre vier Kollegen mit der Lösung - und das Team ist froh über seine IT-Ausstattung: Trotz des engen Zeitrahmens - wir haben den Auftrag ja erst im August vergangenen Jahres erteilt - arbeitet die Software zu unserer Zufriedenheit. Mit dem Auslaufen unserer Verträge zum Jahreswechsel konnten wir sofort in den ‚scharfen Betrieb’ wechseln, lobt Eichhorn. Dass sich VA TECH SAT und EnDaNet das Projekt geteilt haben, wurde kaum bemerkt; dass Folgeprojekte ins Haus stehen, bestätigt die Zufriedenheit.


Als völlig richtig bestätigte sich die Entscheidung der Wuppertaler Stadtwerke und der Stadtwerke Velbert, die Vollversorgung fallen zu lassen. Wir konnten in den wenigen Monaten schon relativ viel Geld sparen, sagt Eichhorn. Wenn das so weiter geht, haben sich die Investitionen in unsere IT-Lösung spätestens nach drei Jahren bezahlt gemacht. Vom dem Know-how, das wir durch die aktive Beschaffung erwerben, ganz zu schweigen.


Die Regiopartner spielen derzeit mit dem Gedanken, das Konzept von den Stadtwerken zu lösen. Eine eigenständige Gesellschaft Energiebeschaffung und Portfoliomanagement würde den Gedanken der Partnerschaft auf Augenhöhe noch intensivieren. Als eigenständige Einheit könnten neben der Beschaffung zum Beispiel auch Prognosedienstleistungen angeboten werden. Eichhorn lädt andere Stadtwerke zum Mitmachen ein: Uns schwebt vor, eine starke Einkaufsmacht im Bergischen Land zu bündeln. Und die kann umso effektiver agieren, je mehr Partner das Regiokonzept nutzen.


Autor: Ralf Dunker