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EDNA-Initiative

17. Oktober 2001

Esslingen

Damit die Prozesse laufen: VDEW und EDNA sorgen für Standards

Interview mit Dr. Franz Hein (EDNA) und Helmut Lebeau (VDEW ) für

Damit Märkte funktionieren, müssen die Marktteilnehmer

miteinander kommunizieren. Nicht nur mündlich oder auf

Papier, sondern bei den immensen Datenmengen im

liberalisierten Energiemarkt in erster Linie elektronisch.

Das gilt um so mehr, wenn das Beziehungsgeflecht

zwischen den Marktteilnehmern komplex ist. Auf dem

Energiemarkt war dies bisher eines der Hauptprobleme.

Denn es wurde zwar an einer Standardisierung des

Datenaustausches gearbeitet, an eine praktische

Umsetzung in den betroffenen Softwaresystemen war aber

lange Zeit wegen fehlender Verbindlichkeit nicht zu denken.

Abhilfe schaffen will hier die EDNA-Initiative (Energie-Daten,

Normen & Automatisierung), eine Vereinigung von

Softwareherstellern und Unternehmensberatern. Erste

Ergebnisse ihrer Arbeit wurden auf der

VDEW/EDNA-Fachtagung „EDM live“ im September in

Hannover gezeigt. ew unterhielt sich mit Dr. Franz Hein,

EDNA Koordinator, und Helmut Lebeau vom Verband der

Elektrizitätswirtschaft e.V. (VDEW) über die Ergebnisse der

Veranstaltung und vor allem darüber, was sie für die

Anwender gebracht hat.

 

ew: 20 Softwaresysteme haben im September in Hannover

miteinander kommuniziert - auf Anhieb und fehlerfrei. Herr

Dr. Hein, Herr Lebeau, haben Sie so etwas schon mal zuvor

erlebt?

F.H: Also ich war wirklich angenehm überrascht. Denn

in

meiner früheren Funktion als Leiter einer

Datenverarbeitung

habe ich es eigentlich eher so erlebt, dass es immer erst

einmal schief ging, wenn zwei Systeme geliefert wurden,

die miteinander kommunizieren sollten...

H.L.: Ich kann mich da aus ähnlichen Erfahrungen

heraus

nur anschließen. Aber ich muss sagen, dass ich sehr

froh

bin, dass wir mit der EDNA einen Ansprechpartner

gefunden haben, der die Interessen der Software-Anbieter

so exzellent bündelt. Dadurch werden die Standards,

die

der VDEW für den liberalisierten Markt entwickelt hat

und

noch entwickelt schneller und vor allem gezielter umgesetzt.

Und dass das funktioniert, hat gerade die „EDM live“ mit

ihrem praktischen Ansatz bewiesen.

ew: Gezeigt wurden im EDM-Live-Szenario

ausgewählte

Kernprozesse wie Kommunikation von Verbrauchsdaten

und von Fahrplänen. Können die Anwender

davon

ausgehen, dass die Kommunikation auf diesen Gebieten

jetzt wirklich funktioniert?

F.H.: Mit Sicherheit, denn die Grundlagen sind jetzt

geschaffen. Wir haben ja nicht nur fünf

ausgewählte

Prozesse gezeigt. Die 20 teilnehmenden Firmen haben

insgesamt 50 Rollen in diesem Szenario „gespielt“ und so

bewiesen, dass die Prozesse funktionieren. Das, was

damit geschaffen wurde, ist jetzt die Basis für alles,

was in

Richtung Automatisierung der Geschäftsprozesse

weitergehen muss.

H.L.: Die „EDM live“ hat gezeigt, dass die Kommunikation

funktioniert. Man kann aber nicht davon ausgehen, dass

damit alle Probleme gelöst sind. Das Ganze,

nämlich

diese Kommunikation in der Praxis zwischen über

1000

Marktteilnehmern umzusetzen, ist wiederum ein Prozess,

der aber, wie ich denke, jetzt eine wichtige Hürde

genommen hat.

ew: Der Austausch von Verbrauchsdaten und

Fahrplänen,

das ist ja nur ein Teil der Problematik. Weitere wichtige

Prozesse wie der Austausch von Kunden- und

Rechnungsdaten oder der Kundenwechselprozess stehen

ebenfalls an. Ist hier auch mit einer zügigen

Umsetzung zu

rechnen?

H.L.: Wir sind hier in Deutschland auf einem recht guten

Weg und haben auch in Europa mit der Beschreibung

beispielsweise des Nachrichtentyps UTILMD, mit dem

Kundendaten ausgetauscht werden, bereits eine

Führungsrolle übernommen. In der

Projektgruppe

„Datenaustausch und Mengenbilanzierung“ befassen wir

uns zur Zeit mit der Beschreibung der

Kommunikationsprozesse und den dabei zu

berücksichtigenden Fristen. Ich gehe davon aus, dass

wir

bis zum Jahresende auch hier einen großen Schritt

weiter

sind. Denn ohne eine Festlegung dieser Fristen für

die

einzelnen Prozessschritte können diese auch nicht

automatisiert ablaufen.

F.H. Wir sind bei der EDNA-Initiative ja angetreten, die

Geschäftsprozesse zu automatisieren. Die

Standardisierung der Datenformate ist da nur eine der

Voraussetzungen. Bei den weiteren Prozessen sind wir

deswegen derzeit intensiv dabei, ebenfalls die Grundlagen

zu schaffen. Der Kundenwechselprozess ist solch ein

Thema. Aber wir haben zudem die Not der Unternehmen im

Bereich der Rechnungsstellung erkannt. Deshalb ist auch

das ein Prozess, den wir mit Sicherheit zügig

anpacken.

ew: Bislang haben Hersteller und Verbände eher

nebeneinander her gearbeitet. Zwischen der Ausarbeitung

von Marktregeln, deren Umsetzung in einzelnen

Geschäftsprozessen und der technischen Umsetzung

in

IT-Systemen gab es einen regelrechten Bruch. Funktioniert

die Zusammenarbeit zwischen VDEW und EDNA jetzt

besser?

F.H.: Die ist hervorragend geworden! Ursprünglich

war es

tatsächlich so, dass wir nicht miteinander gearbeitet

haben,

in der Zwischenzeit arbeiten wir eng zusammen. Und nicht

nur mit dem VDEW oder mit der DVG, sondern auch mit

internationalen Verbänden. Wir sind

korrespondierendes

Mitglied bei der ETSO Task Force 14, die sich

gegenwärtig

mit dem europaweiten Fahrplanaustausch

beschäftigt, und

wir arbeiten eng mit der EFET zusammen. Denn man muss

diese Dinge als europäische Aufgabe sehen, nicht

nur als

deutsche...

H.L.: Die Zusammenarbeit mit der EDNA hat uns aber auch

hier in Deutschland die Arbeit bereits sehr erleichtert, was

die softwaretechnische Umsetzung der Standards für

den

liberalisierten Markt angeht. Da gibt es einen regen

Informationsaustausch. Es kommt hinzu, dass es, wie Herr

Dr. Hein richtig bemerkt hat, um einen europäischen

liberalisierten Energiemarkt geht. Und da hat ja nun nicht

nur die Gas-Seite in Deutschland den

VDEW-Metering-Code übernommen. Auch

Österreich oder

die Schweiz haben sich daran und an dieser eindeutigen

Zählpunktbezeichnung orientiert. Es gilt nun, die

Zählpunktbezeichnung europaweit zu standardisieren.

Ein

anderer Punkt ist die eindeutige Identifikation der

Marktpartner. Hier wird sich wohl der EAN-Code

durchsetzen. Der VDEW bietet für diese Identifikation

den

Unternehmen in Deutschland eine so genannte

VDEW-Codenummer an, die genauso aufgebaut ist, wie die

International Location Number (ILN) des EAN-Code. Schon

mehr als 200 Netzbetreiber, Lieferanten und

Bilanzkreisverantwortliche haben sich über unsere

Web-Site www.strom.de kostenlos eine solche Nummer

geben lassen. Diese Unternehmen erfüllen damit

eine

wichtige Voraussetzung für die weitere

Automatisierung der

Kommunikation im liberalisierten Markt.

ew: In Hannover wurde das EDIFACT-Format MSCONS

für

die Verbrauchsdaten und das Excel-Format DVG-KISS

für

die Fahrpläne verwendet. Das soll jetzt durch ein

XML-basiertes Format abgelöst werden. Droht da

nicht ein

Durcheinander?

F.H.: Ich sehe hier kein Durcheinander. Aus zunächst

rein

praktischen Erwägungen heraus wurde das

Vorhandene

genommen - beispielsweise MSCONS oder das

KISS-Format - damit der Markt überhaupt erst einmal

weitermachen kann. Es muss bei den Unternehmen

einfach mal eine Grundlage für den elektronischen

Datenaustausch da sein. Aber das Bessere ist des Guten

Feind! Und es wird sicherlich so sein, dass XML der Weg in

die Zukunft ist, sobald die Normung da weiter

vorangeschritten ist. Es gibt ja inzwischen eine ganze Reihe

von Branchen und Institutionen, die im eBusiness in diese

Richtung voranschreiten. Die Strombranche wird hier sicher

keine Ausnahme machen. Die EDNA-Initiative bereitet sich

darauf vor und wird vor allem daran mitarbeiten.

H.L. Ich kann mich dem im Grund nur anschließen. Wir

setzen im Moment auf den

eingeführten und bewährten EDIFACT-Standard,

denn auch

Ihre Telefonrechnung wird beispielsweise mit

EDIFACT-Nachrichten übermittelt und erstellt. Wir sind

parallel dazu aber auch offen für XML, das ist ganz

klar. Und

zwar dann, wenn sich bei XML ein entsprechender

Standard etabliert hat Daran wird gearbeitet, aber es ist

noch nicht so weit. Man rechnet etwa in ein bis zwei Jahren

damit, dass ebXML verfügbar sein wird. Heute

müssen die

Unternehmen 60 bis 80 Schnittstellen bedienen. Mit

EDIFACT, KISS und XML werden es für eine

Übergangszeit

drei Schnittstellen statt einer sein, also ist das kein

großes

Problem.

ew: Eine Sache ist die Standardisierung. Eine andere ist es,

sicherzustellen, dass diese Standards auch einheitlich

verwendet werden ...

F.H.: Wir werden bei der EDNA-Initiative ganz besonderen

Wert darauf legen, dass es in Zukunft so etwas wie eine

Qualitätssicherung gibt, vielleicht sogar ein

Qualitätssiegel.

Das Einfügen von IT-Systemen in die

informationstechnischen Netzwerke des Energiemarktes

soll schließlich so einfach werden wie das Einstecken

eines Netzsteckers. Aus meiner Sicht ist ein Standard aber

nur dann überlebensfähig, wenn er am Markt

erfolgreich ist.

Wenn es sich also für den Anwender lohnt, ihn zu

kaufen

bzw. wenn es kostengünstiger ist, in Systeme zu

investieren, die diesen Standard erfüllen.

Aufdrücken kann

man einen Standard nicht!

H.L.: Die Situation stellt sich für uns so dar, dass der

VDEW

an dieser Stelle immer nur Empfehlungen geben kann. Wir

können Standards nicht verordnen. Durch die

Zusammenarbeit mit der EDNA-Initiative haben wir jetzt eine

große Hoffnung und Erwartung, dass die Standards,

die wir

entwickelt haben, auch zeitnah in die Praxis umgesetzt

werden.

Herr Dr. Hein, Herr Lebeau, wir danken für das

Gespräch!

Verzeichnis der benutzten Abkürzungen:

 

EAN European Article Number

XML eXtensible Markup Language

ebXML electronic business eXtensible Markup Language

EDIFACT Electronic Data Interchange For Administration,

Commerce and Transport

KISS-Format Excel-Format für die Meldung von

Fahrplänen

zwischen Lieferanten und Bilanzkreiskoordinatoren