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Schleupen AG

21. August 2001

Moers

Schleupen bewegt sich in sicherem Fahrwasser – mit Kurs auf Erfolg

Interview für Energie Spektrum

Um die Schleupen AG, Moers, war es in den

vergangenen Jahren still geworden. Es wurde

bereits gemunkelt, dass Schleupen sich an

der Neuentwicklung seiner Software

übernommen habe. Jetzt konnte sich das

Unternehmen mit einer Lösung

zurückmelden, die innerhalb eines halben

Jahres mehr als 50 Energieversorger

überzeugte. Leo Schleupen, Vorstand

Entwicklung, und Hans H. Neddermann,

Vorstand Vertrieb/Marketing, erklären, wie es

zu diesem Comeback gekommen ist.

ES: Herr Neddermann, Herr Schleupen, wann

war bei Ihnen der Punkt erreicht, als Sie

dachten: So geht’s nicht weiter, jetzt muss

etwas Einschneidendes geschehen?

Neddermann: Das erste Mal war bereits 1994,

als der Vorstand sich darauf geeinigt hatte,

einen Technologiewechsel zu vollziehen und

den Startschuss für eine neue

Softwaregeneration zu geben. Die Komplexität

dieser Entscheidung haben wir anfänglich

sicher nicht richtig bedacht. Deswegen

mussten wir im Jahr 2000 erneut korrigierend

eingreifen.

Schleupen: Wir mussten zu unserer

Fachkompetenz zurückfinden. Zu dieser Zeit

lag der Schwerpunkt unserer Entwicklung zu

sehr auf der Technologieseite. Wir haben

dann erkannt, dass das nicht reicht und wir

den Schwerpunkt wieder auf die

Fachkompetenz legen müssen. Das zu

ändern war nicht ganz einfach, denn wir hatten

die Situation, dass es zwei Gruppen von

Entwicklern gab, die nicht miteinander

gesprochen haben: die „alte“ und die „neue“

Welt. So war die Situation vor einem Jahr, als

ich wieder im Hause aktiv wurde. Und eine

meiner ersten Aufgaben war es, diesen

Zustand zu überwinden.

ES: Sie sprechen von einer Korrektur. Aus

heutiger Sicht haben Sie Ihr Unternehmen

komplett umgebaut...

Neddermann: Da haben Sie sicher recht. Wir

haben die Situation zum Anlass genommen,

unsere gesamte Unternehmensstrategie auf

den Prüfstand zu stellen und ein völlig neues

Konzept für die nächsten fünf Jahre zu

entwickeln. Wir haben uns in Sparten

beziehungsweise in Geschäftsfelder

organisiert. Das heißt, wir haben mit der

Trennung in einzelne Business Units auch die

Entwicklungsteams den jeweiligen Units

zugeteilt. Es ist uns hier sicher nicht leicht

gefallen, den Weg einer

technologieorientierten, unternehmensweiten

Softwareentwicklung zu verlassen. Aber dann

kam die Besinnung zu sagen: Eine Software

kann ich nicht nur technologisch sehen,

sondern ich will für den einzelnen Markt, wie

etwa für die Energiewirtschaft, das optimale

Ergebnis erzielen - da möchte ich keine

Rücksicht nehmen auf eventuelle

Anforderungen zum Beispiel der

steuerberatenden Berufe. Das bläht die

Systeme doch wieder unnötig auf. Deswegen

also die klare Trennung in Business Units,

die jetzt jeweils an eigenen Standorten

angesiedelt sind. Für die steuerberatenden

Berufe in Ettlingen, für die kommunale

Verwaltung in Dresden und für die

Energiewirtschaft hier in Moers.

ES: Machen Sie da jetzt nicht vieles

doppelt?

Schleupen: Ja. Ich denke, jedem

Betriebswirtschaftler stehen bei so einem

Vorgehen wahrscheinlich die Haare zu Berge.

Wenn Sie das aber von der Fachkompetenz

her sehen, werden Sie damit eine

Problemlösung produzieren, keine

„eierlegende Wollmilchsau“. Es bringt nichts,

„Kompromiss-Software“ herzustellen, die

Anwender wollen „Kompetenz-Software“. Für

dieses Ziel haben wir Synergieeffekte

aufgeben müssen. Aber andererseits konnten

wir feststellen, dass die Gewinne im

Kompetenzbereich höher waren als diese

Verluste.

ES: Im Herbst haben Sie die erfolgreiche

Pilotinstallation von Schleupen.CS gemeldet,

dann war wieder Stille. Eigentlich unüblich in

einer Branche, in der viele Erfolge schon vor

der Umsetzung gemeldet werden. Sind Sie

trotz der radikalen Maßnahmen nicht fertig

geworden?

Schleupen: Wann ist eine Software fertig? Da

gibt es viele Interpretationen. Bei mir

zumindest ist eine Software dann fertig, wenn

man sich zutrauen kann, weitere

Installationen durchzuführen, die Lösung also

nicht nur bei einem Unternehmen läuft.

Insofern war etwas Zurückhaltung durchaus

angebracht.

ES: Das hat sich jetzt geändert. Sie haben das

erfolgreichste Quartal der Firmengeschichte

gemeldet, 50 Aufträge innerhalb von nur

wenigen Monaten. Besteht das nicht die

Gefahr, dass man nicht mehr

hinterherkommt?

Neddermann: Wir bedienen uns jetzt schon

zusätzlicher Hilfe und sind eine Partnerschaft

mit der Visos GmbH eingegangen, mit Herrn

Dr. Richter. Die Visos ist bereits in zahlreichen

Projekten aktiv und wir haben ausgesprochen

positive Rückmeldungen, was die Qualität der

Projekte angeht.

ES: Reicht denn ein Partner?

Schleupen: Wenn wir uns auf der einen Seite

als Kompetenzpartner präsentieren, dann

muss man sehr, sehr vorsichtig sein beim

Eingehen von Partnerschaften.

Neddermann: Das ist eigentlich die Messlatte.

Wenn wir einen ähnlich guten Partner wie die

Visos finden, sind wir sicherlich nicht

abgeneigt. Die derzeitige Auftragslage würde

es rechtfertigen.

ES: Stichwort Auftragslage: Der Energiemarkt

ist ja endlich. Mehr noch, es gibt eindeutig

auch Konsolidierungstendenzen. Ist da

überhaupt ausreichend Potenzial

vorhanden?

Neddermann: Für das Haus Schleupen

sehen wir einen sehr interessanten Markt. Es

wird sicher künftig weniger Stadtwerke geben.

Aber ich denke, es wird auch künftig noch eine

Vielzahl von Versorgungsunternehmen geben.

Fest steht: Die Anzahl der Zähler nimmt eher

zu. Wir müssen den Fokus nicht mehr nur auf

Versorger zwischen zehn und 100.000 Zähler

legen. Wir müssen einen größeren

Kundenkreis ansteuern, auch Häuser mit bis

zu 500.000 Zählern.

ES: Software muss funktional wesentlich

flexibler sein als früher, mit der VVII ist ja das

letzte Wort nicht gesprochen. Können Sie sich

auf Unvorhergesehenes einstellen?

Neddermann: Ja! Wir hängen ja nicht mehr,

wie in der alten Welt, am Zähler. Heute steht

für uns die Person im Mittelpunkt. Diese

Person kann unterschiedliche Rollen

übernehmen, zum Beispiel die des Kunden.

Dem ordne ich wiederum die Verträge zu, die

über Formelgeneratoren abgebildet werden.

Damit können Sie die unterschiedlichsten

Verträge hinterlegen und auch ganz andere

Dinge abrechnen, etwa

Telekommunikationsdienstleistungen oder

Internet. Wir sind offen für alles sind, was

Billing heißt. Auch im Rechnungswesen sind

wir auf die neuen Entwicklungen eingestellt.

Abseits unserer Kernkompetenzen arbeiten

wir mit Partnern zusammen, wie

beispielsweise im Energiedatenmanagement

mit dem finnischen Softwarehaus Process

Vision Oy. So wie wir das früher gemacht

haben, nach dem Motto „Wenn der Kunde

Software kauft, dann muss sie von Schleupen

kommen“, das ist endgültig vorbei.

Schleupen: Das gilt auch für die Technologie.

Wir entwickeln heute Komponentensoftware,

setzen auf Standards wie COM von Microsoft

und gestalten unsere Software offen. Mit

Schnittstellen auf Basis von XML

beispielsweise können wir die

verschiedensten anderen Welten integrieren.

Aber Technologie muss immer Sinn machen.

ES: Ein Unternehmen in nur einem Jahr

komplett umgebaut, mit Erfolg das Ruder

herumgerissen. Wie stellen Sie sicher, dass

das so bleibt?

Schleupen: Wenn Sie ein Unternehmen

führen, dann gibt es immer drei Dimensionen:

die betriebswirtschaftliche, die technologische

und die menschliche. Und gerade die letzte

haben wir irgendwann etwas vernachlässigt.

Durch die Trennung in die „alte“ und die

„neue“ Welt haben wir bewirkt, dass sich

Parteien bildeten, die nicht miteinander

kommunizierten. Das führte zu einer

Schwächung. Allen beteiligten Mitarbeitern

und Bereichen wieder klar zu machen, dass

sie in einem Boot sitzen und in die gleiche

Richtung rudern müssen, war also die

Aufgabe. Und das haben wir begriffen!